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OSTBELGIEN - WIRTSCHAFTSRAUM MIT VERGANGENHEIT

Die Anfänge gewerblicher und industrieller Tätigkeiten beschränkten sich nur auf einige wenige Bereiche, die die Wirtschaftsstruktur mit großem Einfluß geprägt und über viele Jahrhunderte hinweg den Alltag und die wirtschaftliche Existenz der Menschen bestimmt haben : der Galmeibergbau in Kelmis, die Töpferei in Raeren, die Tuchmacherei in Eupen und Kettenis und der Vertrieb der fertigen Tuche durch die Eupener Tuchherren und ihre Fuhrleute, in Malmedy die Lederverarbeitung und die Papierherstellung sowie im Sankt Vither Raum die Landwirtschaft und später die Eisenbahnreparaturwerkstätte.

Bereits im Mittelalter wurden die in geringer Tiefe lagernden Zink- und Bleierze, Galmei genannt, in Kelmis abgebaut und zur Messingherstellung gebraucht. Aber erst im 19. Jahrh., infolge der Gründung des Unternehmens "S.A. des Mines et Fondries de Zinc de la Vieille Montagne", wurde der Galmeiabbau industriell betrieben. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 1000 Arbeiter im Bergbau im neutralen Moresnet, heute Kelmis genannt, tätig. Um 1920-1930 verlor die Galmeiförderung wegen zu geringer Ausbeutung ihre Bedeutung und verschwand gänzlich. Die Raerener Töpferkunst hat ebenfalls ihren Ursprung im Mittelalter. Der am Ort vorgefundene Ton wurde zur Herstellung künstlerisch verzierter Krüge und Töpfe benutzt. Die Blütezeit des Raerener Töpferhandwerks lag, nach Heinrich Rosensträter, in der Zeit von 1560-1620. Nach dem Ende der Töpferei entwickelte sich Raeren zu einem Bauhandwerkerdorf (Steinmetze, Kalkbrenner, Maurer, Zimmerer, Pliesterer).

Die Anfänge einer gewerbsmäßigen Herstellung von Wollstoffen im Eupener Land können ab Beginn des 14. Jahrhunderts nachgewiesen werden. Die Eupener Tuchmacher richteten sich in ältesten Zeiten entlang des Gospertbaches ein. Die "Gospert", heute das Altstadtviertel Eupens, blieb dann auch mehrere Jahrhunderte das gewerbliche Zentrum. Noch manch ehrwürdiges Patrizierhaus (z.B. heutiger Sitz der Regierung der D.G.) erinnert an jene Zeiten.  Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden ebenfalls größere Tuchbetriebe im Weser- und Hilltal errichtet. Die Zeit der österreichischen Herrschaft (1713-1794) unter Kaiserin Maria-Theresia und ihren Nachfolgern brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Es wäre jedoch falsch anzunehmen, daß es außer der Tuchindustrie in Eupen keine anderen erwähnenswerten Industriezweige und Berufsstände gegeben hätte. Zu erwähnen sind Mitte des 18. Jahrh. z.B. eine Scheidewasserfabrik, die Hanfseilfabrik des Johann Bourseaux, die den Ursprung des heutigen Kabelwerkes darstellt, eine Papiermühle, eine Gerberei und viele Branntweinbrenner. Seinen Höhepunkt erreichte das Tuchgewerbe, wichtigster Industriezweig Eupens, während der Regierungszeit Napoleons (1794-1814). Die Zugehörigkeit zu einem großen Zollgebiet, die Erteilung großer Staatsaufträge, die vollkommene Ausschaltung der englischen Konkurrenz ab 1793 und nicht zuletzt der Ausbau der großen Verkehrswege waren einige Gründe der Hochkonjunktur. Im Jahre 1804 richtete Napoleon eine beratende Kammer für die Manufakturen in Eupen ein, die den Ursprung der heutigen Industrie- und Handelskammer darsstellte.

Mit dem 19. Jahrh. begann das Zeitalter der Maschine. Durch die Einführung von (halb-)mechanischen pinn-, Schärmaschinen und Webstühlen sowie den Einsatz der Dampfmaschine fand eine Zentralisierung der Produktionsstätten statt. Parallel zur Mechanisierung der Betriebsstätten entwickelten sich in Eupen um 1860-1870 eine Reihe von Maschinenfabriken, die u.a. Maschinen zur Tuchfabrikation herstellten. Das Ende des 19. Jahrh. und das beginnende 20. Jahrh. brachten dann mit dem Aufkommen der Kammgarnmode nochmals eine hohe Konjunktur nach Eupen. Die Folgen des 1. und 2. Weltkrieges brachten erneut große Schwierigkeiten und Krisenjahre mit sich und führten, auch durch die sich entwickelnde Konkurrenz aus Asien und Übersee, zum Niedergang der Textilindustrie in Eupen. Der Verlust der Arbeitsplätze im Textilbereich konnte glücklicherweise infolge einer verstärkten industriellen Differenzierung kompensiert werden. So wurde z.B. 1908 das bis heute bedeutenste Unternehmen Ostbelgiens, das Kabelwerk Eupen gegründet.

Was für Eupen die Tuchweberei bedeutete, war für Malmedy die ebenfalls in zahlreichen Kleinunternehmen betriebene Gerberei. Auch hier ist im 18. Jahrh. ein bemerkenswerter Aufschwung zu verzeichnen, der sich noch während der französischen Herrschaft aufgrund bedeutender Lederlieferungen für die Armee fortsetzte. Der gute Absatz der Eupener Tuche in dieser Zeit brachte auch die Malmedyer Papierherstellung zum Aufblühen, da diese, laut Heinrich Rosensträter, Preßspan zum Glätten der Tuche herstellte. Im Gegensatz zu Eupen, wo nach dem 2. Weltkrieg die Tuchfabrikation verschwand, hat die bedeutendste Basisindustrie in Malmedy, die Papierindustrie, bis heute eine gewisse Bedeutung behalten.

Im Sankt Vither Raum lebte die Bevölkerung im wesentlichen von der Landwirtschaft auf Basis von dürftigem Kartoffel- und Getreideanbau, wobei die Umstellung vom Ackerbau auf die reine Gras- und Weidewirtschaft später erfolgte, von Viehzucht und der Heimarbeit in Form des Spinnens, Korb- und Strohflechtens. Folglich war bis auf einen schwach ausgeprägten Fleischwarenhandel keinerlei Industrie vorhanden. Die Erschliessung und Entwicklung des Sankt Vither Kantons und insbesonders der Stadt St. Vith war Ende des 19. Jahrh. auf die Inbetriebnahme der Eisenbahn zurückzuführen. Sankt Vith wurde zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt u.a. für Güterzüge, die zu Beginn des 20. Jahrh. Erz aus Lothringen an die Ruhr transportierten und in umgekehrter Richtung Kohle. Für viele Familien war dabei die große Eisenbahnreparaturwerkstätte und die Bahnhofsverwaltung, die bis zu 1000 Personen in Arbeit brachte, von größter Bedeutung. Aufgrund des großen Personenaufkommens in St. Vith entwickelte sich auch das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe. Leider wurde der Bahnhof 1944 vollständig durch Bombardierung zerstört. Damit war das wirtschaftliche Schicksal des Sankt Vither Raumes für Jahrzehnte besiegelt.

 

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